Neues Grundlagenwerk zu Geotourismus und "Geoheritage" erschienen

05.09.2017

Geoheritage and Geotourism. A European Perspective. Edited by Thomas A. Hose. Woodbrigde: The Boydell Press, 2016

Die Themen "Geoheritage" und "Geotourism" werden weltweit zunehmend im Unterricht an Hochschulen behandelt. Insofern ist ein Lehrbuch dazu überfällig. Das neue Buch von Thomas Hose ist zwar kein Lehrbuch im engeren Sinne, erhebt aber den Anspruch, das aktuelle Standardwerk zu dem genannten Bereich darzustellen. Dies unterstreichen auch die zahlreichen Literaturhinweise, die das Buch zu einer wertvollen Fundgrube machen.Dabei bleibt der Blick des britischen Autors im Wesentlichen auf die englischsprachige Literatur beschränkt.

Im Mittelpunkt steht die Beobachtung, dass das geologische Erbe im Gegensatz zu Kulturgütern und der belebten Natur noch immer nicht den Stellenwert einnimt, der ihm zukommen sollte, schon in der eigenen Zunft der Geowissenschaftler/-innen, noch stärker aber insgesamt in Politik und Gesellschaft. Es ist sehr verdienstvoll, dass Hose mit diesem Buch dagegen anschreibt. Und über weite Strecken wird der Band dieser Aufgabe auch gerecht.

Aber das Werk ist auch nicht ohne Probleme. Hose, der ein Studium des Arts Management absolviert hat, ist schon in früheren Publikationen und in seiner Dissertation mit einer Definition von Geotourismus aufgetreten, die 'Definition' mit 'Anforderungen' verwechselt und die bei Studierenden (und den Lesern/-innen deren Bachelor- und Masterarbeiten) immer wieder zu Verwirrung geführt hat. Aber er hält auch in diesem Buch an seiner verschraubten Formulierung fest: "The provision of interpretative and service facilities for geosites and geomorphosites and their encompassing topography ..." (S. 5), wo er doch fairerweise die viel sinnvollere Alternative ebenfalls zitiert: "Geotourism is a form of natural area tourism that specifically focuses on geology and landscape" (Newsome and Dowling 2010: 4). 

Ähnlich verunglückt die Definition von "Geoheritage". Hose sieht dies als Disziplin an, was dann doch übertrieben scheint: ... "an applied scientific discipline which focuses on unique, special and represantative geosites and geomorphosites ...". Damit tut er der Sache keinen Gefallen. Die entscheidenden Merkmale von "geoheritage" bleiben dabei vergessen: Es geht beim geologischen Erbe doch vor allem darum, was an geologischer Ausstattung eines Raumes im gesellschaftlichen Kommunikations- und Aushandlungsprozess als beachtens- und bewahrenswert festgestellt wird.

Fazit: ein wichtiges Buch, eine gute Diskussionsgrundlage. Es erfordert jedoch unbedingt kritisches Lesen.

Christof Ellger, GeoUnion

 

 
 
 
 
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